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Was tun bei Verschwörungsglauben?

Der Glaube an Verschwörungen ist weit verbreitet und knüpft oftmals an ein zunächst legitimes Hinterfragen bestimmter Ereignisse an. Im Rahmen gesellschaftlicher Auseinandersetzungen und Diskussionen sind verschiedene Erklärungsangebote legitim und förderlich.Problematisch sind Verschwörungserzählungen, die sich der Überprüfbarkeit durch Fakten und Wissenschaft entziehen und sich häufig zu Verschwörungstheorien oder -ideologien verdichten.

Ein paar Fakten und Tipps haben wir Ihnen hier zusammengestellt. Die Inhalte sind freundlich einer Broschüre der Senatsverwaltung für Bild, Jugend und Familie entnommen. Die Kontaktdaten der SektenInfo-Stelle finden Sie im Rahmen rechts.

9/11, das Kennedy-Attentat, der Fall der Mauer, die Mondlandung. Über all diese wichtigen Ereignisse in der Geschichte der Menschen gibt es sogenannte Verschwörungstheorien. Diese bringen die Ereignisse in Misskredit oder wollen sie "reframen";. Dabei führt Begriff der Verschwörungstheorie in die Irre. Mit dem Bestandteil "Theorie" im Wort gaukelt er vor, dass er mit Fakten und somit wissenschaftlich überprüfbar sei – dem ist aber nicht so. Verschwörungsmythos, Verschwörungsideologie oder Verschwörungsglaube passen besser als Begrifflichkeit.

Anfang September 2020 ergibt eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung, dass etwas ein Drittel aller Deutschen für Verschwörungsmythen anfällig sind. Geheime Mächte greifen nach der Weltregierung, Geheimdienste arbeiten auf eigene Rechnung usw. Das Spektrum ist groß. Gerade Menschen, die sich machtlos, verunsichert und/oder ängstlich fühlen, neigen dazu. Auslöser hierfür können einschneidende gesellschaftliche/politische Ereignisse sein, wie die Corona-Pandemie. Der Verschwörungsmythos bringt scheinbar einfache Antworten in die oft komplexe und unübersichtliche Medienlandschaft und Berichterstattung, in wissenschaftliche Forschung und Bewertung von Ergebnissen.

Durch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe vermeintlicher „Mitwisser“ fühlt sich eine Person aufgewertet. Ein starkes Gemeinschaftsgefühl sowie erhöhtes Selbstwertgefühl kann entstehen. Es wird klar abgegrenzt zwi- schen uns (den Guten) und den Anderen (den Bösen). Weiterhin entlastet der Glaube an Verschwörungsmythen von der individuellen und gesellschaftlichen Verantwortung. Einschränkungen zum Schutz anderer werden zurückgewiesen, gesellschaftliche Pflichten nicht wahrgenommen. Besonders im Internet finden Anhänger von Verschwörungsmythen Gleichgesinnte, was ihre Vermutungen bestätigt. Oft können sogenannte „Fake News“ einen Mythos stützen.

Contradictory (Widersprüchlichkeit): Wer an Verschwörungsmythen glaubt, stört sichnicht an widersprüchlichen Thesen.

Overriding suspicion (Generalverdacht): Dinge, die nicht dem Mythos entsprechen, werden konsequent abgelehnt. Es wird seriösen Quellen misstraut, manchmal entsteht der Vorwurf der Lügenpresse.

Nefarious Intent (Üble Absichten): Den vermeintlichen Verschwörern werden böse Absichten unterstellt. Beispielsweise wird eine bestimmte Gruppe für persönliches/fremdes Leid verantwortlich gemacht. Oft werden Minderheiten beschuldigt. Aber auch eine geheime Elite wird erdacht.

Something Must Be Wrong (Etwas stimmt nicht): Die geglaubten Mythen können sich ändern. Dennoch bleibt ein Misstrauen gegenüber offiziellen Darstellungen bestehen. 

Persecuted Victim (Opferrolle): Vertreter fühlen sich als Opfer, welche den Mut auf- bringen müssen, sich gegen den erdachten Feind zu wehren.

Immune to Evidence (Immun gegen Beweise): Anhänger eines Mythos sind abgeschottet. Fakten werden abgelehnt oder umgedeutet.

Re-interpreting Randomness (Zufälligkeiten umdeuten): Es besteht die Vorstellung, dass nichts zufällig geschieht. Einem kleinen Zufallsereignis wird eine große Bedeutung beigemessen.

  • Gefühle ansprechen,Spott vermeiden und sich einfühlen, um die Menschen abzuholen. Oft lässt ein erlebtes Gefühl einen Mythos plausibel erscheinen.
  • Es ist gut, Nähe aufzubauen bzw. Distanz abzubauen und eine gemeinsame Ebene zu suchen.
  • Versuchen, ein Verständnis der subjektiv erlebten „Wahrheiten“ zu entwickeln.
  • Probleme verdeutlichen und auf Denkfehler und Widersprüche aufmerksam machen (faktengestützte Gegenbotschaften).
  • Sich auf wenige Argumente stützen und den Mythos nicht durch Wiederholung vertrauter machen und stärken.
  • Manchmal kann es auch helfen, die Position des Gegenübers humorvoll zu entkräfteten. Offensichtliche Unstimmigkeiten können so hervorgehoben werden.
  • Gezielt nach Quellen fragen, warum erscheinen diese für die Betroffenen glaubwürdig?
  • Nicht mit vermeintlichen Informationen überhäufen lassen, sondern bei einem Thema bleiben.
  • Eigene Argumentationskette durch Beispiele verständlich machen.
  • Aber auch Grenzen setzen: Menschenverachtende Thesen müssen nicht verhandelt werden.
  • Anhängende können sich sozial isolieren. Entweder weil sie niemanden mehr trauen oder von ihrem Umfeld zurückgewiesen werden (Freund-Feind-Bild)
  • Verlieren sich die Anhängenden in ihrem Weltbild, kann dies zu Realitätsverlust und anderen psychischen Krisen führen.
  • Gefahren können ignoriert werden, da mögliche Bedrohungen als Verschwörungen wahrgenommen werden, z.B. kann eine Krankheit sich ungehindert verbreiten, wenn sie ideologisch geleugnet wird (Corona, Aids, Impfgegner).
  • Die dauerhafte Beschäftigung mit Themen von vermeintlichen Verschwörung kann zur Radikalisierung führen.
  • In dem Irrglauben an eine geheime Übermacht kann jedes Mittel gerechtfertigt erscheinen, um diese zu bekämpfen, auch unter Gewaltanwendung. Die Geschichte ist voll mit grausamen Beispielen, wie z.B. die „jüdische Weltverschwörung“ und der Holocaust/die Shoah. Es gibt aber auch neuere Vorfälle wie den Amoklauf in Oslo/Utøya oder das Attentat von Hanau.
  • Die Abkehr von verschwörungsmythischen Denken, sowie die Distanzierung von Gleichgesinnten kann schwierig sein. Der Druck in den Kreisen ist unter Umständen sehr groß.

Geben Sie niemanden auf; auch wenn es schwer fällt. Achten Sie auf sich und Ihre Kräfte im Umgang mit Personen, die an Verschwörungsideologien glauben.

Letzte Änderung am: 14.09.2020